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Buch der Woche (21. – 27. Mai)

Alice Sebold: 

In meinem Himmel

Goldmann Verlag

Susie Salmon führt das ganz normale Leben eines Teenagers in einer amerikanischen Kleinstadt bis zu jenem Tag im Dezember, als sie von einem Vergewaltiger getötet wird. Aber Susies Existenz ist damit nicht ausgelöscht. Von “ihrem Himmel” aus verfolgt sie das Leben auf der Erde, beobachtet ihre Freunde und Familie, die mühevoll nach Wegen suchen, um den Verlust zu verarbeiten.Dieses Buch ist anders als alles, was ich bisher gelesen habe. Anfangs wird das Verbrechen kalt geschildert, aber am Ende gibt es doch noch Hoffnung! Der Tod ist zwar das Ende unseres irdischen Daseins, aber wir existieren in einer anderen Form weiter!

Ein “Muss” für jeden Lesefan.

Anna Polakowska





Buch der Woche (14. – 20. Mai)

Alan Philps, John Lahutsky: 

Der Wolkengänger.Die Geschichte eines russischen Waisenkindes

Kiepenheuer Verlag                              

Wanja kommt verfrüht als Sohn einer Alkoholikerin in Russland zur Welt. Aufgrund der Diagnose russischer Ärzte wird Wanja für bildungsunfähig erklärt und folglich, verstärkt durch mangelndes Verantwortungsbewusstsein der Mutter, in ein Waisenhaus abgeschoben. Er lebt im Babyhaus 10, in dem kein Unterschied zwischen körperlicher und geistiger Behinderung gemacht wird. Unter unmenschlichen Bedingungen bzgl. Hygiene, Ernährung und altersgemäßem Umgang ist Wanja vollkommen sich selbst überlassen, kann nicht laufen, versucht jedoch, sich selbst das Sprechen beizubringen. An Gitterbetten festgebunden und mit Medikamenten ruhiggestellt, gelingt es Wanja schließlich, eine Gruppe ausländischer Hilfskräfte auf sich aufmerksam zu machen. So auch Sarah, die das Potential vieler Waisenkinder erkennt und trotz komplexer Rechtslage für die Rettung dieser Kinder kämpft. Besonders Wanjas Adoption macht sie sich zur Aufgabe, welche endlich nach langwierigen Bemühungen gelingt: Nach 8 Jahren in russischen Heimen wird Wanja von der Amerikanerin Paula adoptiert und führt heute als John Lahutsky ein völlig normales Leben.

Als ich den Roman entdeckte, wurde sofort meine Neugierde geweckt. Besonders die Tatsache, dass es das Produkt einer wahren Geschichte ist und von Wanja (später John), dem russischen Waisenjungen, selbst nacherzählt wird, macht es umso interessanter. Es ist lebendig aus den Augen eines Kindes geschrieben und offenbart trotzdem die grausame Realität des damaligen Systems in Russland. Ergänzt wird es durch die Kapitel, die von Sarah und Wika, Wanjas Retterinnen, erzählt werden. Wahrnehmungen der Außenwelt werden dargestellt, wodurch der Roman auch für Erwachsene attraktiv erscheint. Die Schilderungen sind sehr detailliert und nachvollziehbar; man wird von der Geschichte Wanjas eingenommen. Trotz der dramatischen und furchtbaren Ereignisse spürt man als Leser die Lebensenergie und den Kampfgeist dieses Jungen.

Meiner Meinung nach richtet sich dieses Buch an Personen ab 15 Jahren, da es einiges an geschichtlichen Hintergrundinformationen erfordert.

Ich kann es jedem empfehlen, der Interesse an realen Erzählungen hat, die Grausamkeit der Realität verträgt und über Ausdauer beim Lesen verfügt. Man sollte sich bewusst darüber sein, dass auch heute noch Menschen solches Leid erfahren müssen!

Frauke Pützschler





Buch der Woche (07. – 13. Mai)

Naoura, Salah: 

Matti und Sami und die drei größten Fehler des Universums

Beltz : Weinheim u.a.                              143  Seiten

Matti hat einen jüngeren Bruder, der wie ein finnischer Fußballspieler bei Bayer Leverkusen heißt. Ständig vermuten die Leute, dass sein Bruder ein heimlicher Türke ist. Das regt Matti ziemlich auf. Was Matti noch auf die Palme bringt ist die Tatsache, dass alle Erwachsenen ständig lügen. Dummerweise haben sie das Talent sich später rauszureden und nicht für ihr Gesagtes verantwortlich zu sein. Matti hasst Lügen. Doch um seinen größten Wunsch in Erfüllung gehen lassen zu können, muss er eine kleine Lüge in die Welt setzten. Erschreckenderweise fallen die Erwachsenen auf seine Lüge rein. Seine Eltern sind sogar wie ausgewechselt. Leider folgen auf die eine Lüge sehr viele gelogene Verwicklungen. Dass lässt Matti verzweifeln. Bringt ihn doch sein Lügengespinst mitsamt Eltern und Bruder in die finnische Einöde. Aber seine Lüge verwandelt sich unerklärlicherweise… 

Das Buch ist für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2012 nominiert.





Buch der Woche (16. April – 22. April)

Louis Sachar: 

Löcher. Die Geheimnisse von Green Lake

Beltz : Weinheim u.a.                              295 Seiten 

Der etwa elfjährige Stanley hat nicht viel zu lachen: Immer wieder ist er zur falschen Zeit am falschen Ort. Dieses Problem kannte auch schon sein Großvater und dessen Vater. Ist das einfach nur Pech, oder liegt eine Art Fluch über der Familie? Als Stanley mal wieder am falschen Ort ist, wird er wegen eines Diebstahls verhaftet, den er gar nicht begangen hat, und landet im Erziehungslager Green Lake in der texanischen Wüste. Auch wenn es zunächst nicht danach aussieht: Dort ist er endlich am richtigen Ort, denn über Green Lake liegen Schatten aus der Vergangenheit, die auf seltsame Weise mit Stanleys Familiengeschichte verknüpft sind. Niemand anderes als der dicke, oft gehänselte Stanley wird die Geheimnisse von Green Lake aufdecken, wobei Zwiebeln, Schweißfüße, Pfirsiche und natürlich Löcher eine entscheidende Rolle spielen.

Louis Sacher beschreibt keine heile Welt und findet recht deutliche Worte für ihre Schattenseiten. Der ehemalige Rechtsanwalt kritisiert die Art, wie in den USA schon Kinder in die Mühlen des Strafvollzugs geraten und wirft ein Schlaglicht auf Amerikas rassistische Vergangenheit und Gegenwart. Dennoch hinterlässt dieses moderne Märchen, vorgelesen von Konstantin Graudus, nach dem Hören ein wunderbar heiteres Gefühl. Louis Sacher ist ein überaus unterhaltsames und in jeder Weise wertvolles Buch gelungen!

Es ist bekanntlich eine große Kunst, heiter über ernste Themen zu schreiben, ohne dabei zynisch oder herzlos zu wirken. Und es ist ebenso eine Kunst, eine Geschichte so zu erzählen, dass Menschen jeden Alters, vom Kind bis zum Greis sich daran erfreuen können. Beides ist dem Amerikaner Louis Sacher mit seinem Roman “Löcher. Die Geheimnisse von Green Lake” hervorragend gelungen, und er wurde durch Topplätze auf den Bestsellerlisten und etlichen Preisen dafür belohnt.

(entnommen aus der Verlagsveröffentlichung)





Buch der Woche (26. März – 1. April)

Wo kommen die Worte her?

Neue Gedichte für Kinder und Erwachsene; Herausgegeben von Hans-Joachim Gelberg

 Was der Mensch mit Sprache und Wörtern zu sagen, auszulösen und zu verändern vermag, ist das Thema dieses Gedicht- und Impulsbuches.

Theodor Eberle hat dies in seinem bebilderten Gedicht „Das Wort“ treffend zusammengefasst:

Das Wort kannst du ergreifen,
das Wort kannst du jemand im Mund umdrehen,
du kannst jemand das Wort abschneiden,
du kannst jemand dein Wort geben,
ein Wort kannst du jemand an den Kopf werfen,
du kannst jemand ins Wort fallen,
mit dem Wort kannst du auch jemand verletzten.
Manchmal musst du einem jedes Wort aus der Nase ziehen.
Manchmal musst du auch nach einem Wort suchen.“ 

Das Buch lädt zum Entdecken von Sprache ein, regt zum Nachdenken an und ist die Texte verstärkend illustriert. Wer es liest, bekommt eine Ahnung davon, wo die Worte herkommen.





Medium der Woche (12. – 18. März)

Ein spannender Film über die Finanzkrise 2008 von Charles Ferguson:

Inside Job

Lizenzausgabe für die Bundeszentrale für politische Bildung
Laufzeit: 104 Min.

“Inside Job” wurde 2011 mit dem Oscar für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.

15. September 2008. Lehman Brothers, eine der traditionsreichsten und größten US-Investmentbanken, meldet Konkurs an. Eine andere, Merril Lynch, wird im Notverfahren von einer anderen Bank übernommen. Der weltgrößte Versicherer, AIG, wird verstaatlicht. Die Weltfinanzmärkte stürzen ab. Es folgt eine globale Rezession, deren Folgen uns noch heute (Schuldenkrise) sehr beschäftigen.

Inside Job ist ein spannender Dokumentarfilm über die Finanzkrise von 2008 und deren Ursachen. Mit Hilfe von eigenen Recherchen und Interviews mit Insidern aus der Finanzbranche, Politikern, Wissenschaftlern und Journalisten verdeutlicht Charles Ferguson anschaulich die Hintergründe und den Verlauf der Finanzkrise.





Buch der Woche (05. – 11. März)

Walter Moers: 

Die Stadt der träumenden Bücher

Piper : München                              480 Seiten 

Eine kleine Kostprobe:

“In tiefen, kalten, hohlen Räumen
Wo Schatten sich mit Schatten paaren
Wo alte Bücher Träume träumen
Von Zeiten als sie Bäume waren
Wo Kohle Diamant gebiert
Man weder Licht noch Gnade kennt
Dort ist’s, wo jener Geist regiert
Den man den Schattenkönig nennt.”

Phantasievoll, unterhaltsam,einfach wunderbar!!!





Buch der Woche (27. Februar – 4. März)

Peter Albrecht  Horst Wolniak:

Die Geschichte des Handwerks 

Edition XXL GmbH                Fränkisch-Crumbach 2004

420 Seiten

Was ist die Aufgabe eines Gerbers, eines Glockengießers oder eines Steinmetzes ? Mit welchen Materialen arbeiten sie, was stellen sie her ? Wie und wo haben sich alte Handwerkstechniken entwickelt und was gibt es für Traditionen der jeweiligen Berufe? Solche Fragen werden im Buch „Geschichte des Handwerks“ geklärt.

Zahlreiche Zeichnungen und Bilder veranschaulichen die Texte.





Buch der Woche (20. – 26. Februar)

Philip Oprong Spenner:

Move on up. 

Ich kam aus dem Elend und lernte zu leben.

Ullstein Verlag      368 Seiten

Hat ein Kind, das keine Liebe erfährt, eine Chance im Leben? Kann aus einem drogensüchtigen Straßenkind ein Akademiker werden? Kann ein Mensch, der gedemütigt, betrogen und missbraucht wurde, anderen Menschen Liebe geben? 

Nein, ausgeschlossen, möchte man antworten, das geht nicht, aber die Lebensgeschichte von Philipp Oprong Spenner zeigt, dass das Unwahrscheinliche doch möglich ist.

 Aufgewachsen als Straßenkind in Kenia, ergriff er jede Chance, eine Schule zu besuchen, auch wenn es nur für kurze Zeit war und er dafür die niedrigsten Arbeiten im Schülerwohnheim verrichten musste. Durch außergewöhnliche Begabung und Fleiß gelang es ihm, den Schulabschluss zu machen, aber erst durch das Engagement eines deutschen Arztes, der ihn mit 18 Jahren adoptierte, wurde sein Traum zu studieren und Lehrer zu werden möglich. Gar nicht so einfach in Deutschland zu studieren, wenn man aus Afrika kommt. Aber Philipp Oprong Spenner gelang es, nach kurzer Zeit fließend Deutsch zu sprechen und als einer der Jahrgangsbesten sein Lehramtsstudium abzuschließen.

Sein erstes Ziel war danach nicht die mögliche Karriere an der Uni oder in der Schule. sondern er wollte lieber den Kindern aus den Hamburger Problembezirken helfen, die er als ähnlich heimatlos erlebte, wie er es einmal gewesen war. 

Eine wahre Geschichte, die nicht spannender sein könnte und einen beeindruckenden Menschen vorstellt.





Buch der Woche (13. – 20. Februar)

Martin Baltscheit

Ich und die Kanzlerin

Mein Praktikum in Berlin

Hörbuch     Verlag: Hörcompany

Jasmin Behringer, 14-jährige Schülerin, hat einen besonderen Berufswunsch: Sie will Kanzlerin von Deutschland werden. Also bewirbt sie sich um ein Praktikum im Bundeskanzleramt, das sie auch tatsächlich antreten kann.
Eine Woche ist sie ganz nahe dran am Zentrum der Macht in Deutschland, darf teilhaben an den kleinen und großen Entscheidungsprozessen, erlebt und sieht, wie Regieren geht.

Martin Baltscheit hat sich in die Rolle des Teenager-Mädchens versetzt und erzählt konsequent aus ihrer Perspektive, wie sie diese Zeit erlebt. Es ist ein aufregender, aufgeregter Bericht aus dem Kanzleramt, den die Schülerin da anfertigt, in dem sie geradeheraus und freimütig erzählt, wie sie die hohe Schule des Regierens beobachtet, begreift und miterlebt. Sie nimmt kein Blatt vor den Mund, ist erstaunt darüber, wie es hinter den Kulissen zugeht und zugleich erleichtert, als sie erkennt, dass Regieren doch nicht so ganz ihre Sache ist.





Buch der Woche (6. – 12. Februar)

Pierdomenico Baccalario:

Die Kammer der Pharaonen

Zweites Heft von Ulysses Moore

Coppenrath Verlag     233 S.

Empfehlung: 9 bis 14 Jahre

Ein Stapel verwitterter Hefte dokumentiert die unglaublich spannende Geschichte dreier junger Abenteurer. Von dem geheimnisvollen Autor weiß man nur eins mit Sicherheit, seinen Namen: Ulysses Moore.

Julia, Jason und Rick gehen durch die Tür zur Zeit und landen im Alten Ägypten, im Land Punt. In der Hoffnung, dem Geheimnis von Kilmore Cove endlich auf die Spur zu kommen, begeben sie sich auf die Suche nach einer rätselhaften Landkarte und machen eine unfassbare Entdeckung …

Geschichte und Abenteuer satt!!! 





Buch der Woche (23. – 29. Januar)

ObingerSengül Obinger:

Löwinnenherz: 

Wie ich mir meine Freiheit erkämpfte und dabei fast das Leben verlor

 Verlag Herder            220 S.

Empfehlung: ab 14 Jahren

Dieses Buch enthält alle Elemente der derzeitigen gesellschaftspolitischen Diskussionen unter Stichworten wie Migration, Integration, Parallelwelten, Ehrenmord, Frauenrechte u.v.m. Der Unterschied zu vielen anderen: Sengül Obinger weiß, was alle diese Schlagworte in der Realität bedeuten und sie erzählt davon authentisch und leidenschaftlich. Jenseits aller Debatten ist Sengül Obingers Buch ein einmaliges Selbstzeugnis einer mutigen und ungewöhnlichen Frau, die uns den unschätzbaren Wert von Freiheit, Selbstbestimmung, Bildung und Arbeit nahebringt. Ein Buch, das erschüttert, mitreißt, begeistert und Mut macht. 

Das Buch ist ein Mutmacher!!!





Buch der Woche (19. – 25. Dezember)

Der Klassiker der Vorweihnachtszeit:

Barbara Robinson:

Hilfe, die Herdmanns kommen  

Verlag Oetinger                      96  Seiten
Empfehlung: ab Kl. 5

Die Herdmann-Kinder sind die schlimmsten Kinder aller Zeiten. Sie lügen, klauen, rauchen Zigarren (auch die Mädchen) und bringen die Nachbarn zur Verzweiflung. Jetzt haben sie es sogar geschafft, sämtliche Rollen in dem Krippenspiel zu bekommen, das zu Weihnachten aufgeführt werden soll. Natürlich erwartet jeder das schlimmste Krippenspiel aller Zeiten.  Aber es kommt ganz anders, denn ….





Buch der Woche (12. – 18. Dezember)

Milena Baisch:

Anton taucht ab  

Verlag Beltz & Gelberg    2010            101 Seiten
Empfehlung: ab Kl. 5

Schlingpflanzen in dämlichen Badeseen findet Anton super uncool. Angeln mit dem Großvater ist was für Langweiler, und eine Großmutter, die mit einem albernen Hut und Schlager vor sich her singend zum See geht, ist oberpeinlich.

Aber der Sommerurlaub wird für Anton mit der Zeit noch aufregend. Dank „Piranha“ und dem „Pudel“!

Aus der Verlagsveröffentlichung:

Ein herrlich schräges Sommerbuch mit Tiefgang. Die Zutaten: Ein Protagonist mit Ecken und Kanten, ein wunderbar robuster Humor, skurrile Situationen und ein Erzählton frei nach Schnauze, der leise Zwischentöne nicht scheut.

»Jetzt erzähle ich die Geschichte. Es beginnt in der Zeit, als ich noch Starflashman hieß, und hier sind Chips. Ihr sollt sitzen bleiben und zuhören, alles klar?«

Zugegeben, Campingurlaub mit Oma und Opa ist nicht gerade das Coolste. Doch erst als Anton entdeckt, dass es keinen Swimmingpool gibt, sondern nur einen SEE, werden diese Ferien zum GAU (größtmöglich anzunehmender Unfall). Arschbomben und Köpper vom Badesteg machen wie all die anderen Kinder? In diese Ekelbrühe? Niemals!
Zum Eigenbrödlerdasein verdammt und vor Langeweile vergehend, macht Anton schließlich eine Bekanntschaft der besonderen Art – mit einem Fisch. Und damit beginnt ein Ferienabenteuer, wie es sich Anton in seinen kühnsten Heldenfantasien nicht ausgemalt hat …





Buch der Woche (05. – 11. Dezember)

Passend zu der am 5. Dezember in Bonn stattfindenden Afghanistankonferenz mit Vertretern von über 80 Regierungen, auf der über die weitere internationale Aufbauhilfe für Afghanistan nach dem geplanten Abzug der ausländischen Truppen 2014 verhandelt wird:

Edward van de Vendel / Anoush Elman:
Der Glücksfinder 

Carlsen Verlag 2011              464 Seiten
Empfehlung: ab 13

„Es geht auch ohne phantastische Welten. Mindestens so spannend wie die grandiosen Harry-Potter-Bände kann auch die Schilderung der Realität sein. Das beweisen eindrucksvoll E. van de Vendel und Anoush Elmann mit ihrem Buch Der Glücksfinder. Wie sie das leben einer afghanischen Familie erzählen, die vor den Taliban fliehen muss und es mit Hilfe von Menschenschmugglern auf abenteuerlichen Wegen über Iran und Kasachstan bis schließlich in die Niederlande schaffen, ist einfach großartig.“ (SZ, 30.11.2011)

Aus der Verlagsveröffentlichung:

“Nach der Machtübernahme durch die Taliban muss Hamayun zusammen mit seiner Familie aus Afghanistan fliehen. Irgendwohin in ein sicheres Land. Über ein halbes Jahr sind sie unterwegs und müssen ihr Leben Knochenträgern anvertrauen – so nennt Hamayun die Menschenschlepper, die sie kreuz und quer durch Europa karren.
In den Niederlanden endet ihre Flucht schließlich. Dort finden sie sogar den großen Bruder wieder, und trotzdem ist noch lange nicht alles gut. Die Unsicherheit, die immer neuen Asylanträge und -verfahren zermürben und entmutigen sie.

Umso erstaunlicher, dass Hamayun sich selbst trotz aller Schwierigkeiten als Glücksfinder bezeichnet und die Hoffnung nicht aufgibt. Edward van de Vendel und Anoush Elman, auf dessen eigener Geschichte dieses Buch beruht, kleiden Hamayuns Geschichte in unverbrauchte, präzise Bilder, die einen lange nicht loslassen.

In den Niederlanden bereits hoch gelobt und vielfach ausgezeichnet.
“Edward van de Vendel gibt “dem Asylbewerber” nicht nur ein Gesicht, sondern auch ein Herz. Dieses Buch war eine Notwendigkeit.”





Buch der Woche (28. November – 04. Dezember)

“Auch ohne Schokolade schön: Josteins Gaarders Adventskalender.” (Die Welt)

1998 erschien auf deutsch der Roman “Das Weihnachtsgeheimnis” des bekannten norwegischen Schriftstellers Jostein Gaardner. Wegen seines Inhaltes und der Aufteilung in 24 Kapitel ist er eine hervorragende Lektüre für die Adventszeit.

“Joachim will einen Adventskalender. Aber alle sind ausverkauft – bis auf einen, und der ist handgemacht. Zu Hause öffnet er das erste Türchen und heraus fällt ein kleiner, eng beschriebener Zettel. Die Geschichte, die Joachim entziffert, erzählt von einer Pilgerreise, die in Norwegen mit einem Stofflamm und einem Mädchen namens Elisabeth beginnt. Sie führt immer weiter zurück bis nach Bethlehem zur Geburt des Jesuskindes. Immer mehr folgen dem Zug.  Je mehr Zettel Joachim liest, desto öfter fragt er sich, ob es das Mädchen, das den Pilgerzug anführt, tatsächlich gibt. Die erlösende Antwort erhält Joachim aber erst am 24. Dezember. ” (aus der Verlagsveröffentlichung)

Empfohlen: ab 11 (ohne Altersbeschränkung nach oben)





Buch der Woche (21. – 28. November)

„Die Wahrheit ist, dass mir auf Erden nicht zu helfen war“, schrieb der Dichter Heinrich von Kleist in einem Abschiedbrief an seine Schwester Ulrike, bevor er sich am 21. November 1811, also diese Woche vor 200 Jahren am Berliner Wannsee selbst tötete. Eine 31-jährige, schwer krebskranke Freundin begleitet ihn in den Freitod. Wer mehr über das Leben dieses Dichters erfahren möchte, sollte diese im Arena Verlag im Juni 2011 erschienene Biografie „Kleist und die zerbrochene Klassik“ von Andreas Venzke lesen.

Aus der Verlagsveröffentlichung:

Als Dichter der deutschen Klassik steht Kleist in einer Reihe mit Goethe und Schiller. Doch über sein Werk hinaus fasziniert er bis heute. In seinem Denken und Handeln ging er konsequent eigenwillige Wege – bis zur letzten Konsequenz. Über seine adlig-militärische Familientradition hinaus entwarf er unermüdlich neue Lebenspläne. Die Lust am Schreiben begleitete ihn stets und Werke wie Der zerbrochene Krug oder Michael Kohlhaas sind bis heute aktuell.

Aus Antolin:

Andreas Venzke erzählt aus der Sicht des zu Lebzeiten verkannten Dichters. Lebendig und authentisch folgt er den konsequenten und eigenwilligen Wegen des modernsten Klassikers, der sich über seine adlig-militärische Familientradition hinwegsetzte und unermüdlich neue Lebenspläne entwarf, am Ende aber nur einen Ausweg für sich kannte …





Buch der Woche (14. – 20. November)

Den Deutschen Jugendliteraturpreis 2011 im Bereich Jugendbuch erhielt der Autor Wolfgang Herrndorf für seinen Roman “Tschik”.

” Das feine Gespür des Autors für jugendrelevante Themen, komische Dialoge, der jugendlich-authentische Erzählton und der bis zum filmreifen Finale konsequent durchgehaltene Spannungsbogen machen den Roman herausragend.” (Jurybegründung)

Jurybegründung:
Es gibt sie tatsächlich: die sprichwörtliche Walachei. Dorthin unterwegs: zwei Jungs, beide aus verschiedenen Gründen Außenseiter, beide 14 Jahre alt. Tschick, eigentlich Andrej Tschichatschow: Ein russischer Migrant, klug, aber schweigsam im Unterricht, erscheint schon mal alkoholisiert in der Schule. Maik Klingenberg, kein Spitzname: Vater nahezu bankrotter Geschäftsmann mit Geliebter, Mutter zwischen Entzugsklinik und Tennisplatz lebend. Und hoffnungslos verliebt in Tatjana Cosic, die „super“ aussieht und ein Meter 65 groß ist, wie Maik durch die Schuluntersuchung weiß.
 
Tschick und Maik schnappen sich eines Abends einen alten Lada und fahren los. Mit Tempo und Witz begleitet der Autor seine Figuren auf ihrer Reise durch die deutsche Provinz, ohne auch nur eine Sekunde aus den Augen zu verlieren, dass Tschick und Maik tatsächlich erst 14 sind. Seine scharfe Beobachtungsgabe, seine geistreichen Schilderungen von Menschen, Szenen und Begegnungen sowie sein Faible für skurrile Situationen übergibt Herrndorf dem Ich-Erzähler Maik, der im Rückblick von diesem Abenteuer berichtet.
 
Bei der erneuten Lektüre der Lieblingsbücher seiner Kindheit fielen Herrndorf deren Erfolgs-kriterien auf: Die Erwachsenen werden möglichst rasch aus der Geschichte verbannt, jugendliche Helden brechen zu einer großen Reise auf und die geht raus aufs Wasser. Das schien ihm, so Herrndorf während einer Lesung, „ein gutes Konzept für ein Jugendbuch zu sein“. Und auch wenn das Wasser den Straßen Ostdeutschlands weichen musste und die Dampfer zu einem Lada wurden, ist das Konzept aufgegangen: Tom Sawyer alias Maik und Huckleberry Finn alias Tschick gehen auf große Fahrt. Sie sind aber eben erst 14 und das stellt sie immer wieder, wie beispielsweise vor einer Autobahnfahrt, vor die Frage: Wie kann man erwachsen wirken, falls ein vorbeirauschender Fahrer ins Wageninnere blickt? Ein Hitlerbärtchen? Das sollte, so denken die beiden, in Ostdeutschland kein Problem darstellen. Solche Formen bittersüßer Ironie beherrscht der Autor auf virtuose Weise.
 
Ebenso großartig wie Maik und Tschick sind die anderen Figuren dieses Roadmovies mit starken Charakteren ausgestattet. Man sieht sie wie im Kino lebendig vor sich, wie überhaupt der ganze Roman sehr filmisch erzählt ist: Horst Fricke, „der beste Schütze seiner Einheit“, Isa, das schmutzige Mädchen, das so gut singen kann, die Sprachtherapeutin, die wie der Teufel Auto fährt, um Tschick ins Krankenhaus zu bringen und sogar noch der vom nächtlichen Anruf Maiks aus dem Krankenhaus geweckte Mann, der nach kurzer Zeit versteht, welche Finte sich Maik für die Krankenschwester ersonnen hat, damit die nicht seine Eltern anruft. Von all diesen Begegnungen nehmen Maik und Tschick etwas mit. Ihr Erfahrungskoffer ist prall gefüllt, als ihre Reise jäh endet.




Buch der Woche (7. – 13. November)

Den Katholischen Kinder- und Jugendliteraturpreis 2011 erhielt der in Australien lebende Jugendbuchautor Moritz Gleitzmann für seinen spannenden Roman “Einmal”. Aus 278 Werken, die von rund 60 Verlagen eingereicht wurden, hat die Jury dieses Buch, das auch wir hier zur Lektüre empfehlen möchten, als besonders empfehlenswert ausgewählt.

Moritz Gleitzmann:

Einmal

Carlsen Verlag, Hamburg 2009

187 Seiten

geeignet: ab Kl. 5

 

Aus der Verlagsbeschreibung:

“Drei Jahre und acht Monate, so lange lebt der 9-jährige Felix schon in einem abgelegenen katholischen Waisenhaus in den Bergen. Dabei ist er gar nicht katholisch. Und seine Eltern sind auch nicht tot. Sie haben ihn zu Mutter Minka gebracht, damit er gut versorgt ist. Und sie werden ihn holen, sobald sie die Probleme mit ihrem Laden gelöst haben. Denn für jüdische Buchhändler ist das Leben 1942 in Polen sehr schwierig. Wie schwierig, das begreift Felix erst, als Männer mit seltsamen Armbinden im Waisenhaus auftauchen und Bücher aus der Bibliothek verbrennen.
Felix reißt aus, um seine Eltern zu suchen und zu warnen. Doch als er unterwegs die kleine Zelda aufliest, deren Familie ermordet wurde, beginnt er langsam zu verstehen, was diese Nazi-Bücherverbrenner wirklich vorhaben. Und was das für Zelda und ihn und alle anderen jüdischen Menschen bedeutet.”





Bücher der Woche (26. September – 2. Oktober 2011)

In der letzten Woche besuchte Papst Benedikt XVI.  Deutschland.

Neues vom Papst in der Mediothek: aus aktuellem Anlass ein Hinweis auf das neue Jesusbuch von Benedikt XVI.

Josef Ratzinger (Benedikt XVI.):

Jesus von Nazareth: Band II: Vom Einzug in Jerusalem bis zur Auferstehung

Herder-Verlag

Nach dem bereits 2006 erschienenen ersten Band, kam im Frühjahr dieses Jahres der zweite Band des umfangreichen Jesusbuches von Papst Benedikt XVI. unter dem Titel „Jesus von Nazareth II“ heraus. Im ersten Band geht es um eine Auseinandersetzung mit dem „historischen Jesus“ und der Bedeutung der Evangelien.

Die Botschaft lautet: Die Evangelien verdecken nicht die historische Wahrheit über Jesus, sondern legen sie offen.

Im zweiten Band greift der Papst nun auch die theologisch und politisch brisante Frage nach der Schuld am Tod Jesu auf.

„Der Papst legt ein geistliches Buch mit theologischem Hintergrund vor. Er hat es als Bischof und Lehrer der Kirche geschrieben. Es soll Menschen helfen, Jesus zu begegnen. Jeder kann es ohne großes Vorwissen lesen…Er versucht darin zu zeigen, wie man von Jesu Tod und Auferstehung sprechen kann, dass Gott ins Spiel kommt.“

(Thomas Söding, Theologieprofessor aus Bochum)

Regine Günst





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